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So schadet Alkohol dem Körper

Leber, Magen, Herz und Hirn – viele Organe leiden, wenn Menschen Bier, Wein oder Schnaps trinken. Vor allem, wenn wir uns zu viel davon einflößen. Experte Günther Mainusch erklärt, warum das so ist


Alkohol im Übermaß lässt den "Bierbauch" wachsen – und kann beim Mann sogar einen weiblichen Brustansatz fördern

Hoch die Tassen, Prösterchen. Alkohol ist wahrscheinlich des Deutschen liebstes legales Rauschmittel. Und ein Gläschen in Ehren, mag niemand verwehren. Sollte man allerdings lieber ab und zu tun. Alkohol hat eine enorm breite Schädigungswirkung – wesentlich schlimmer und gefährlicher, als die meisten Menschen vermuten.

Günther Mainusch, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erklärt die Auswirkungen von Ethanol – so die chemisch korrekte Bezeichnung des berauschenden Bestandteils in alkoholischen Getränken – im menschlichen Körper. Mit dem Chefarzt der AHG Klinik Dormagen, einer Spezialeinrichtung zur Entwöhnungsbehandlungen von alkohol- und medikamentenabhängigen Männern und Frauen, verfolgen wir den Weg von Bier, Wein und Schnaps durch den Körper und erklären, wo überall Schäden entstehen können. Natürlich drohen diese Leiden nicht schon beim ersten Schluck, aber die schädigende Wirkung tritt meist früher ein, als viele sich das denken.


Hier kann Alkohol dem Körper schaden

  • Mund- und Rachenraum

    "Alkohol ist ein Zellgift und greift in dieser Funktion direkt die Zellen der Mundschleimhaut an", erklärt der Experte. Das gleiche geschieht am Kehlkopf und im Rachen. Raucht der Trinker auch noch, dann multiplizieren sich die schädigenden Effekte. Das Risiko für die Entstehung eines Krebsgeschwürs steigt deutlich. Menschen, die weder rauchen noch trinken, erkranken laut Mainusch fast nie an einem Krebs des Mund- und Rachenraumes.

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  • Speiseröhre

    Auf dem Weg in den Magen greift der Alkohol Zellen in der Speiseröhre an. Besonders aggressiv sind hochprozentige Getränke wie Schnaps. Am Ende der Röhre schützt normalerweise der Schließmuskel das empfindliche Gewebe vor dem sauren Magensaft. Alkoholkonsum schädigt den Muskel und Magensäure kann in die Speiseröhre gelangen. Die Folge: Sodbrennen. Die dauerhafte Reizung ist sehr schmerzhaft und steigert das Krebsrisiko.

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  • Magen

    Der Magen schützt sich vor Selbstverdauung durch die Magenschleimhaut. Ohne Magenschleimhaut würden Verdauungssäfte die Magenwand angreifen und verdauen wie ein Stück Steak. Bei übermäßigem Alkoholgenuss leidet auf Dauer die Magenschleimhaut und genau der beschriebene Fall kann eintreten. Zunächst kommt es zu einem Magengeschwür, später kann daraus Krebs entstehen.

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  • Bauchspeicheldrüse

    Die Bauchspeicheldrüse leidet unter Alkoholkonsum ganz besonders stark. Durch die ständige Schädigung beginnen dort die Zellen Kalk einzulagern. "Sie kalzifizieren", erklärt Mainusch. Nun können die Verdauungssäfte nicht mehr abfließen, es kommt zu einer dauerhaften Reizung und diese endet nicht selten mit Krebs, der sehr schlechte Heilungschancen hat. Außerdem ändert sich der Glukosestoffwechsel und der Trinker droht an Diabetes-Typ-2 zu erkranken.

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  • Darm

    Alkohol und seine Abbauprodukte greifen die Darmwand an. Entzündungen entstehen, die Gefahr für Krebs steigt. Hinzu kommt, dass Alkoholkonsum auf längere Sicht Nervenschäden verursacht. Die Verdauung kann sich verlangsamen, der Darminhalt verweilt länger im Körper. Auch dieser Umstand könnte das Krebsrisiko steigern.

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  • Leber

    Die Leber ist unser Entgiftungsorgan. Sie baut den Alkohol ab, um den restlichen Körper vor seiner schädigenden Wirkung zu schützen. Dieser Abbau hat bei dem Organ höchste Priorität. Trinkt man also Bier und Wein, dann versucht die Leber erst einmal dieses Gift abzubauen – und lässt beispielsweise gleichzeitig aufgenommenes Fett unbearbeitet. Das kann auf Dauer zu einer Leberverfettung und zu Fettstoffwechselstörungen mit ungünstigen Cholesterinwerten führen.

    Hinzu kommt: Zu viel Alkohol und seine Abbauprodukte schädigen die Leber massiv. Mit der Zeit vernarbt das einst weiche Gewebe. Durch die beiden beschriebenen Effekte leidet die Leber, eine Zirrhose oder auch Krebs können entstehen.

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  • Blutgefäße

    Ein Übermaß an Alkohol kann den Blutdruck erhöhen. Die bei einem Leberschaden entstandenen Fettstoffwechselstörungen tun ihr übriges, die Blutgefäße nehmen Schaden: Arteriosklerose ("Gefäßverkalkung") kann entstehen.

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  • Herz

    Wie auch die Gefäße, leidet das Herz unter den gestörten Stoffwechselvorgängen im Körper. Außerdem reagieren die Herzzellen sehr empfindlich auf den giftigen Alkohol und seine Abbauprodukte. Beide Effekte haben zur Folge, dass die Herzkrankgefäße Schaden nehmen können. "Als Folge kann es zu Angina Pectoris oder einem Herzinfarkt kommen", warnt Mainusch.

    Außerdem leiden auf lange Sicht die Herzzellen – mögliche Folge: eine Herzschwäche und Herz-Rhythmusstörungen.

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  • Hormone

    Die Leber spielt eine wichtige Rolle beim Hormonhaushalt des Menschen. Durch die bereits beschriebene Schädigung des Organs durch zu viel Alkohol kommt es zu einer Verschiebung des Hormonhaushalts. Im Körper fallen vermehrt Östrogene an, also weibliche Geschlechtshormone. "Dadurch steigt bei Frauen das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken und Männer verweiblichen", so Mainusch. Die Hoden verkleinern sich, der Ansatz einer weiblichen Brust kann entstehen, die Körperbehaarung nimmt ab. Und auch der Mann kann Brustkrebs bekommen.

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  • Gehirn/Nerven

    "Alkohol kann eine Polyneuropathie auslösen, das ist ein vielfacher Nervenschaden", weiß Mainusch. In den Armen und Beinen erkennt man die Schäden nach einiger Zeit daran, dass der Trinker unsicher geht oder nicht richtig zugreifen kann. Im Gehirn leidet vor allem sein Kurzzeitgedächtnis. Er kann sich nur noch Dinge aus der Vergangenheit merken. Das führt nicht selten dazu, dass der Mensch in seiner Leistungsfähigkeit im Berufs- wie Privatleben nachlässt.

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Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 07.02.2012, aktualisiert am 07.02.2012
Bildnachweis: Fotolia/olly

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